Entstehungsgeschichte zu "Urlaub in der Apokalypse 6"

Band 6 zu schreiben, war so herausfordernd, wie im Vorfeld befürchtet. Allein, die Route auszubaldowern – unter Berücksichtigung ALLER Faktoren –, war der Hammer. Größere Umstellungen mitten im Schreibprozess inklusive. Zwischendurch habe ich gedacht, ich packe es nicht. Das wäre was gewesen: Karl wirft auf halber Strecke das Handtuch und kehrt um. Haha!

Kommen wir zur von vielen Lesern bekrittelten Hochsee-Episode, die nicht ganz ein Drittel des Buches ausmacht – um genau zu sein: lächerliche 170 von über 600 Seiten. Ich fand gerade dieses Setting hochgradig faszinierend, aber „Tödliches Territorium“ und „Ratten in der Stadt“ zusammen waren leichter zu schreiben als dieses Drittel – mancher würde meinen, sie waren auch leichter zu lesen. Tja, Sie hätten mal die Urfassung des Hochsee-Drittels sehen sollen, die war nochmal 60 Seiten länger!

Ich habe gekürzt wie ein Irrer und darum gekämpft, den Spagat zwischen Details und Lesbarkeit irgendwie hinzukriegen, denn mir war die Problematik schon beim Schreiben bewusst. Das Dilemma ist: Lässt man die Details weg, funktioniert die Geschichte nicht mehr. Manche Details sind handlungsrelevant, andere sind einfach reizvoll und regen das Kopfkino an, sind gewissermaßen das Salz in der Suppe. Und gehörte es nicht immer schon zum Konzept der Reihe, ins Detail zu gehen? Tausend kleine Dinge? Sie wissen schon...

Glücklicherweise konnte ich auf einen erfahrenen Segler zurückgreifen, den ich zuweilen über Gebühr gelöchert habe, um bloß keinen Mist zu schreiben – oder zumindest möglichst wenig Mist –, bis mir der Kopf brummte. Zugegeben: Die Protagonisten machen zum Teil halsbrecherische Sachen. Dinge, die unter normalen Umständen niemand wagen würde. Warum? Ganz einfach: Weil sie keine Wahl haben.

Die Feinheiten und Fallstricke des Segelns, mit denen ich so manchen Leser "gequält" habe, hätten auch Karl & Co beschäftigt, und zwar mindestens in dieser Ausführlichkeit – und es machte für mich gerade den Reiz aus, das ungefiltert zu schildern. Damit man als Leser eine ungefähre Vorstellung bekommt, auf was für ein Kraftakt sich Karl & Co einlassen.

All jenen Lesern, denen dieser Abschnitt zu ausführlich war, möchte ich zurufen: So ist es in der Endzeit! Habt ihr einen Spaziergang erwartet, oder was? Klar hätte ich es mir leicht machen und gleich mit Karls Ankunft beginnen können, aber dann hätte es ebenso Kritik gehagelt, dessen bin ich mir sicher.

Wie Sie sehen, stehe ich voll und ganz hinter diesem mörderischen Band, und ich würde ihn ganz genau so wieder schreiben. Dieses Buch ist mein Baby, ich war neun Monate damit schwanger – mindestens –, und ich verteidige es wie eine Wölfin ihr Junges! Aber was rege ich mich auf: Ein Metascore von 4,5 / 5 bei über tausend Bewertungen zeigt, dass ich letztlich doch alles richtig gemacht habe. Uff! Nochmal Schwein gehabt.